
Mit einem selbstbewussten Schlusssatz beendete Ortsbrandmeister Jörn Kowalski seinen Jahresbericht: „Am Ende wird alles gut.“ Dass er damit nicht nur die Einsätze des vergangenen Jahres meinte, sondern auch einige offene Rechnungen mit der Gemeinde, machte der Abend im Gasthaus zur Post schnell deutlich. Rund 50 Gäste hatten sich am gestrigen Sonnabend, 7. März 2026, zur Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Schwüblingsen eingefunden, darunter Uetzes Gemeindebürgermeister Florian Gahre, der Erste Gemeinderat Dr. Lorenz Bode, Gemeindebrandmeister Uwe Richter, Brandschutzabschnittsleiter Tobias Jacob sowie Abordnungen der Ortsfeuerwehren Katensen und Dollbergen und der Werkfeuerwehr der Avista Oil in Dollbergen.



Prozentual die stärkste Feuerwehr der Gemeinde
Kowalski eröffnete seinen Bericht mit einem Blick auf die Mitgliederzahlen – und der fiel bemerkenswert aus. Bei rund 530 Einwohnern zählt die Feuerwehr Schwüblingsen 214 Mitglieder, davon 46 in der Einsatzabteilung, 14 in der Jugendfeuerwehr und 7 Alterskameraden. „Prozentual sind wir damit die stärkste Feuerwehr gemessen an der Einwohnerzahl“, stellte der Ortsbrandmeister fest. Ortsbürgermeister Eike Dralle unterstrich das im Grußwort mit konkreten Zahlen: Die Wehr stelle mit 46 Einsatzkräften rund zehn Prozent aller aktiven Feuerwehrkräfte der gesamten Gemeinde Uetze – bei lediglich 2,5 Prozent der Gemeindeeinwohnerzahl.
Ausbildung als Priorität – auch wenn das Geld ausbleibt
Ein besonderes Anliegen ist Kowalski die Ausbildung: „Die Ausbildung steht im Vordergrund, koste es was es wolle.“ Gemeinsam mit den Ortsfeuerwehren Katensen und Dollbergen bildet Schwüblingsen ein enges Ausbildungsverbund. Im vergangenen Jahr absolvierten die Mitglieder zahlreiche Lehrgänge: zweimal QS1 (Truppmitglied), viermal QS2 (Truppmann), zweimal QS3 (Truppführer), einen Lehrgang zum Atemschutzgeräteträger sowie einen Gruppenführerlehrgang Teil 2. Dazu kamen eine Übung an der Verbrennungsanlage in Dollbergen, eine Ausbildung beim Raiffeisen in Burgdorf und eine ABC-Übung der Region Hannover Ost auf dem Hof Fricke – dem Kowalski ausdrücklich dankte.
Doch bei aller Begeisterung für die Ausbildung gab es auch Kritik: Zugesagte 20.000 Euro für Ausbildungszwecke seien nie angekommen. Die Wehr entschied, 1.500 Euro aus der eigenen Kasse vorzustrecken. „Ausbildung kostet nun mal Geld“, so Kowalski. Auch die Mittel für die Kameradschaftskasse stehen noch aus. Gemeindebürgermeister Gahre räumte das offen ein: „Das Geld ist nicht weg“, aber geänderte gesetzliche Regelungen hätten die Überweisung blockiert. „Das ist ein bisschen ärgerlich – wir wollen euch nicht im Regen stehen lassen.“ Dr. Bode, der neue Erste Gemeinderat, bekräftigte: „Die Verwaltung soll unterstützen. Wir versuchen, Wege aus dem Bürokratiedschungel zu zeigen.“
Sieben Einsätze – zwei bleiben in Erinnerung
Im Jahr 2025 rückte die Feuerwehr Schwüblingsen zu sieben Einsätzen aus: ein Schornsteinbrand in Schwüblingsen (13. Januar), ein Einsatz in Dollbergen (26. März), ein umgestürzter Baum auf der Straße (23. Juni), ein Traktorbrand auf der K125 (31. Juli), erneut ein Baum auf der Straße am Feuermoor (21. August), ein Einsatz an einer Flüchtlingsunterkunft in Dollbergen (4. Oktober) sowie ein Brand von Unrat in der Arpker Straße (1. Dezember).
Besonders in Erinnerung geblieben sind zwei Einsätze. Beim Schornsteinbrand am 13. Januar glaubten die Einsatzkräfte zunächst, es handle sich um eine Übung – doch es war ernst. Die Anfahrt erfolgte auf Sicht, Flammen schlugen aus dem Schornstein, die Wasserversorgung wurde hergestellt, die Drehleiter aus Burgdorf kam hinzu. Schaden entstand keiner. Ein anwesender Polizeibeamter kommentierte die Einsatzstelle später als „harmonisch“.
Beim Traktorbrand auf der K125 am 31. Juli stand Kowalski gerade im Feuerwehrhaus, als der Alarm einging. Der Trecker brannte in Vollbrand, die Kräfte gingen unter Atemschutz vor und schützten dabei den Anhänger erfolgreich. Und dann nutzte Kowalski den Moment für eine kleine Anekdote über die Führungsdichte an jenem Tag: Auf den Fahrzeugen befanden sich der Ortsbrandmeister und sein Stellvertreter, ein ehemaliger Ortsbrandmeister, ein weiterer ehemaliger Ortsbrandmeister auf dem LF 10 Dollbergen – dazu kamen Gemeindebrandmeister, Brandschutzabschnittsleiter sowie deren Stellvertreter. Sein Fazit, mit einem Schmunzeln: „Wir haben keine Führungsprobleme.“
Kowalski und Hasberg wiedergewählt
Da die laufende Amtszeit von Ortsbrandmeister und Stellvertreter am 15. Oktober 2026 nach sechs Jahren endet, standen Neuwahlen auf der Tagesordnung. Wahlleiter war Volker Böhnke vom Team Ordnung und Sicherheit der Gemeinde. Jörn Kowalski wurde als einziger Kandidat mit 31 Ja-Stimmen bei einer Enthaltung erneut zum Ortsbrandmeister gewählt. Sein derzeitiger Stellvertreter Hartmut Hasberg erhielt als einziger Kandidat für das Amt des Stellvertreters sogar 32 Ja-Stimmen – einstimmig. Kowalski bedankte sich kurz und herzlich: „Danke fürs Vertrauen.“


Ebenfalls bestätigt wurden Eike Dralle als Sicherheitsbeauftragter und Mohammed Wolf als Jugendwart. Das Amt des Atemschutzbeauftragten, das Kowalski bislang selbst bekleidet hatte, wird künftig von Sebastian Wilke übernommen.
Ehrungen und Ernennungen
Hendrik Steven und Arendt Dralle legten ihren Diensteid ab und wurden feierlich zu Feuerwehrmännern ernannt. Sebastian Wilke und Doreen Sellmann wurden zu Oberfeuerwehrmann beziehungsweise Oberfeuerwehrfrau befördert. Gemeindebrandmeister Uwe Richter nahm weitere Beförderungen vor: Jugendwart Mohammed Wolf wurde zum Löschmeister ernannt, Marcel von der Weide zum Oberlöschmeister.
Bürgermeister Gahre überreichte Mohammed Wolf zudem die Ehrennadel der Gemeinde Uetze für zehnjährige aktive Mitgliedschaft. Brandschutzabschnittsleiter Tobias Jacob ehrte Daniel Kobbe mit dem Feuerwehr-Ehrenzeichen des Landes Niedersachsen für 25 Jahre aktive Feuerwehrzugehörigkeit.
Eine besondere und seltenere Ehrung gab es für Julia Krause, die im Hintergrund arbeitet und die Kameraden stets zuverlässig verpflegt: Sie erhielt die Ehrennadel in Bronze des Landesfeuerwehrverbandes. Sicherheitsbeauftragter Eike Dralle wurde mit der Ehrennadel der Feuerwehrunfallkasse in Gold ausgezeichnet.
Investitionen, Mustergerätehaus und ein Appell
Gemeindebürgermeister Gahre nutzte sein Grußwort für einen ungewöhnlich offenen Blick hinter die Kulissen der Kommunalpolitik. Er räumte einen massiven Investitionsstau bei den Feuerwehrhäusern ein – rund 200 Millionen Euro stünden gemeindeweit aus. Die Gemeinde Uetze plant daher einen anderen Weg: ein Mustergerätehaus für die Ortsfeuerwehren Altmerdingsen, Schwüblingsen, Dedenhausen und Obershagen. Als Vorbild nannte er das Gerätehaus in Eltze. „Wir halten uns nicht an alte Pläne, die vielleicht nicht mehr die Realität abbilden.“
Gleichzeitig betonte er die Wertschätzung der Gemeinde für die Feuerwehren – auch in Form von Fahrzeugen: „So viele Fahrzeugbeschaffungen wie derzeit gab es in der Gemeinde Uetze noch nie.“ Und er schloss mit einem persönlichen Appell: „Ich erwarte eines von euch: dass ihr immer heil aus den Einsätzen zurückkommt.“
Zu guter Letzt nahm Ortsbürgermeister Eike Dralle die Schlussworte von Jörn Kowalski auf: „Und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.“




















