
Es war das erste Stichwort des Jahres und das letzte – und dazwischen noch 20 weitere Male. „Das zog sich wie ein roter Faden durchs Jahr“, sagte stellvertretender Ortsbrandmeister Benjamin Claaßen bei der Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Uetze am gestrigen Sonnabend, 21. März 2026, im Feuerwehrhaus. Rund 100 Kameradinnen und Kameraden sowie rund 30 Mitglieder des Musikzuges folgten seinem kurzweiligen Rückblick auf ein arbeitsreiches Jahr. Für Bewirtung sorgten Mitglieder der Feuerwehren Dedenhausen und Eltze, für den musikalischen Rahmen der Feuerwehrmusikzug Uetze unter der Leitung von Dirk Lehmann. Zu Beginn gedachte die Versammlung der Verstorbenen, besonders des Ehrenortsbrandmeisters Karl-Heinz Ellebracht.






73 Einsätze – und ein roter Faden
Am 6. Januar 2025 um 14:38 Uhr lautete das erste Einsatzstichwort des Jahres „Person in Notlage“ – am 29. Dezember um 11:05 Uhr war es das letzte. 22 Mal rückte die Wehr im vergangenen Jahr wegen dieses Stichworts aus, darunter zweimal wegen einer Smartwatch, die zwar Alarm schlug, auf Nachfrage aber kein Lagerbild liefern konnte, wie Claaßen schmunzelnd berichtete. „Bei jedem Einsatz stellt sich die Frage, was uns vor Ort erwartet“, so Claaßen.
Ortsbrandmeister Florian Schernich fasste die Gesamtbilanz zusammen: 73 Einsätze, acht mehr als im Vorjahr, entsprechen 65 Prozent des gesamten Einsatzaufkommens der Gemeinde Uetze. Darunter waren 28 Brandeinsätze (davon 12 Brandmeldeanlagen), vier Brandsicherheitswachen sowie 44 technische Hilfeleistungen mit 22 Türöffnungen und sieben Verkehrsunfällen. Für alle 73 Einsätze wurden 1.160 Einsatzstunden erfasst.
Aber auch außerhalb des Einsatzgeschehens war die Ortsfeuerwehr aktiv. „Es ist verdammt viel los gewesen im vergangenen Jahr“, sagte Schernich und berichtete von vereinzelten Veranstaltungen – und schränkte ein: „Es gibt noch zig weitere Aktionen, die von uns begleitet oder organisiert wurden.“
Besonders in Erinnerung blieb der 11. Mai: Während des Schützenfestes in Dedenhausen kam es zur Kollision einer Person mit einem Zug – ein belastender Einsatz. „Das Fass wird immer voller“, sagte Claaßen mit Blick auf die psychische Belastung durch schwierige Einsätze.
Ausbildung auf hohem Niveau – mit externer Unterstützung
An 89 verschiedenen Terminen wurde Ausbildung betrieben – 20 gemeinsame Ausbildungsdienste für alle, dazu weitere Fachdienste, Unterweisungen, Heißausbildung und ein Türöffnungsseminar in Hänigsen. Insgesamt wurden 7.944 Ausbildungsstunden erfasst. Ab September konnten mit Mitteln aus dem Rat externe Ausbilder für Erste-Hilfe- und Technische-Hilfeleistungs-Ausbildungen eingesetzt werden – und das nicht nur für die eigene Wehr: 30 Plätze wurden auch anderen Ortsfeuerwehren angeboten. „Wir schaffen Handlungsfähigkeit“, sagte Claaßen. Der Bedarf an Lehrgangsplätzen – besonders für Maschinisten und Führungskräfte – übersteige jedoch weiterhin das Angebot.
Ein Highlight des Jahres war die Lieferung zweier neuer Fahrzeuge: Nach drei Jahren Wartezeit kamen das Löschfahrzeug LF20 und das Hilfeleistungslöschfahrzeug HLF20 endlich an. Die Inbetriebnahme gelang laut Claaßen reibungslos – in enger Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamt. „Das ist aller Ehren wert.“
Starkes Mitgliederwachstum – ein „Luxusproblem“
Die Einsatzabteilung zählt zum Jahresende 75 Einsatzkräfte, darunter neun Frauen. Im vergangenen Jahr kamen sieben neue Kräfte hinzu, in diesem Jahr bereits zwei weitere. Schernich nannte das Wachstum schlicht „wunderprächtigt“ – und ergänzte trocken: „Wir sind manchmal über 50 an einem Ausbildungsabend. Das ist ein Luxusproblem.“ Wie sich die Wehr weiter aufstellen will, soll beim nächsten Dienst am 30. März besprochen werden. Die Jugendfeuerwehr zählt 28 Mitglieder und leistete in 49 Diensten 1.682 Stunden. Der Musikzug kommt auf 54 Mitglieder, 90 Proben, 29 Auftritte und 124 Termine insgesamt – das sind 6.280 Stunden. Zusammen mit Einsatz, Ausbildung und weiteren Tätigkeiten wurden 17.066 Stunden für die Feuerwehr erfasst. Die Gesamtmitgliederzahl liegt bei 384.
Verpflichtungen, Ernennungen und Ehrungen
Zu den schönsten Momenten des Abends zählten die Verpflichtungen, Ernennungen und Ehrungen. Im Musikzug wurden Jonas Schernich zum Feuerwehrmusiker sowie Katie Scheller zur Oberfeuerwehrmusikerin ernannt. Sechs Einsatzkräfte legten ihren Diensteid auf der Standarte der Ortsfeuerwehr ab. Aus der Jugendfeuerwehr wurden Josephine Hodonou, Jonas Blanke und Max Kerstan in die Einsatzabteilung übernommen. Als Quereinsteiger verstärken die Ortsfeuerwehr nun Thomas Fink, Lucas Christiansen und Sven Klinger.
Josephine Hodonou, Jonas Blanke, Thomas Fink und Max Kerstan erhielten nach dem offiziellen Eintritt in die Einsatzabteilung auch den ersten Dienstgrad ihrer Laufbahn und wurden zu Feuerwehrmännern beziehungsweise Feuerwehrfrau ernannt. Weiterhin wurden Finja Behr (Oberfeuerwehrfrau) und Maarten Behr und Aaron Schernich (Oberfeuerwehrmänner) neue Dienstgrade verliehen.
Für zehnjährige Mitgliedschaft erhielt Marco Jakob das Ehrenzeichen der Gemeinde Uetze; nachträglich wurden Jens Blenk, Carsten Bode, Frank Hacke, Dirk Lehmann, Florian Lackert, Philipp Lackinger, Hendrik Meyer, Karsten Niewerth, Carsten Schlachter, Jan Springer und Helmut Wrede ebenfalls geehrt. Das Feuerwehrehrenzeichen des Landes Niedersachsen für 25-jährige Verdienste in der Einsatzabteilung erhielten Hendrik Meyer und Dieter Schmidt.
Den bewegendsten Moment des Abends erlebte 1. Hauptbrandmeister Reiner Kobbe: Heute auf den Tag genau vor 50 Jahren – am 22. März 1976 – trat er in die Feuerwehr Uetze ein. Von 1993 bis 1997 war er stellvertretender Ortsbrandmeister, von 1997 bis 2009 Gemeindebrandmeister. Für diesen außergewöhnlichen Einsatz wurde ihm das Feuerwehrehrenzeichen des Landes Niedersachsen für seine 50-jährige aktive Tätigkeit in der Feuerwehr verliehen.
Der Landesfeuerwehrverband ehrte Claus Wittneben für 25 Jahre und Frank Hacke für 50 Jahre im Musikzug; Hacke wurde zugleich als ehemaliges aktives Mitglied für 50 Jahre Mitgliedschaft in der Feuerwehr insgesamt ausgezeichnet. Hans-Heinrich Baars wurde für 60 Jahre, Otto Wrede für 70 Jahre Mitgliedschaft geehrt. Karsten Niewerth wurde in die Alters- und Ehrenabteilung versetzt.
Grußworte: Lob, Dank und klare Erwartungen
Bürgermeister Florian Gahre meldete sich per Videobotschaft aus dem Urlaub: „Ihr seid eine hochprofessionelle Feuerwehr – ich bin stolz, euer Bürgermeister zu sein.“ Erster Gemeinderat Dr. Lorenz Bode schloss sich dem an und warb für engeres Zusammenwachsen: „Eine Gemeinde, eine Feuerwehr – wir müssen noch ein bisschen mehr zusammenrücken.“ Die Gemeinde wolle Sparringspartner sein, nicht nur Forderungen stellen – etwa beim Thema Bürokratie oder der Rechtssicherheit von Kameradschaftskassen. Sein Ziel: in jedem Löschbezirk eine Kinderfeuerwehr.
Der stellvertretende Bürgermeister Norbert Vanin dankte für die geleistete Arbeit und nannte konkrete Zahlen: Die Finanzierung externer Ausbilder koste die Gemeinde 20.000 Euro, Führerscheine für Einsatzkräfte 62.000 Euro. „Eine Berufsfeuerwehr mit zwei Löschgruppen würde allein an Personalkosten 1,9 Millionen Euro kosten – das zeigt, was das Ehrenamt wert ist.“ Vanin berichtete außerdem über den Stand der Feuerwehrhäuser in der Gemeinde: Eltze ist gerade im Bau, weiter sind neue Feuerwehrhäuser in Obershagen, Dedenhausen,, Schwüblingsen und Altmerdingsen geplant.
Stellvertretender Brandschutzabschnittsleiter Tim Hermann überbrachte die Grüße der Regionsfeuerwehrführung und nannte eindrucksvolle Zahlen: Im Abschnitt 4 mit vier Kommunen wurden durch 40 Ortsfeuerwehren 1.875 Alarmierungen verzeichnet – mehr als fünf pro Tag. „Die hilflose Person hinter verschlossener Tür ist ein trauriger Kassenschlager“, sagte Hermann mit Blick auf die vielen Einsätze wegen Personen in einer Notlage, selbst auf den Dörfern. Er hob außerdem das neu gegründete Notfallnachsorgeteam der Regionsfeuerwehr hervor, das eigens geschulte Kameradinnen und Kameraden bereitstellt, die nach belastenden Einsätzen unterstützen können.
Schernich schloss den offiziellen Teil mit einem Dank an alle, die sich einbringen. Auch den Partnern und Familien der Einsatzkräfte, die so manche Entbehrung hinnehmen müssten, sprach er seinen ausdrücklichen Dank aus.



















































