
Die Region Hannover will in den kommenden zehn Jahren rund 250 Millionen Euro in Klimaschutz und Klimaanpassung investieren. Die Regionsversammlung hat dafür das Investitionsprogramm Klima beschlossen. Es bündelt 25 Maßnahmen aus den Bereichen natürlicher Klimaschutz, Ausbau erneuerbarer Energien, Klimaanpassung sowie Transformation der Wirtschaft und sichert die Finanzierung bis 2035.
Das Programm bildet nach Angaben der Region den neuen langfristigen und strategischen Handlungs- und Finanzierungsrahmen für den Klimabereich in den Jahren 2026 bis 2035. Die vorgesehenen Investitionen entsprechen rund acht Prozent der Gesamtinvestitionen der Region Hannover in diesem Zeitraum. Ziel ist es, einen Beitrag zur Klimaneutralität bis 2035 zu leisten, die Region widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels zu machen, soziale Gerechtigkeit zu stärken und die wirtschaftliche Entwicklung voranzubringen.
„Mit dem Investitionsprogramm Klima setzen wir jetzt ein klares Signal: Wir nehmen unser Klimaziel ernst, investieren auch in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten in die Zukunft der Region und schaffen damit Verlässlichkeit für die nächsten zehn Jahre“, sagt Jens Palandt, Erster Regionsrat und Klimadezernent der Region Hannover.
Ein Schwerpunkt des Programms liegt auf dem Ausbau erneuerbarer Energien. Margarete Albes, Leiterin des Fachbereichs Energie und Klima, erklärt, das Klimaziel sei nur erreichbar, wenn der Ausbau erneuerbarer Energien deutlich an Tempo gewinne. Die Förderprogramme würden deshalb so ausgebaut, dass sie dort wirkten, wo Standardlösungen nicht ausreichten oder Projekte an der Wirtschaftlichkeitsschwelle stünden. Dadurch könnten Investitionen angestoßen werden, die weit über die eigentliche Förderung hinausgingen.
Größtes Förderprogramm in diesem Bereich ist die Dach-Solar-Richtlinie mit einem Investitionsvolumen von 35 Millionen Euro in den nächsten zehn Jahren. Sie richtet sich an Gebäudeeigentümer in der Region, die eine Photovoltaikanlage errichten und zugleich ihr Dach dämmen. Fördermittel gibt es für jeden gedämmten Quadratmeter Dachfläche sowie für jeden Quadratmeter Photovoltaik, der über das gesetzliche Mindestmaß hinausgeht. Die Region will damit insbesondere kommunale Einrichtungen und Unternehmen dazu bewegen, große Dachflächen vollständig mit Photovoltaikmodulen zu belegen.
Wie eine solche Umsetzung aussehen kann, zeigt nach Angaben der Region der Bundesverband Kalksandsteinindustrie in Hannover. Das Dach der Verbandszentrale in Hannover-Ledeburg wurde im Frühjahr 2023 energetisch saniert. Dafür gab es rund 30.000 Euro Förderung aus dem Dach-Solar-Topf. Geschäftsführer Roland Meißner berichtet, die neue Photovoltaikanlage mit knapp 100 Kilowattpeak Leistung erzeuge jährlich rund 85.000 Kilowattstunden Strom. Etwa 60 Prozent davon könne der Verband direkt selbst nutzen, unterstützt durch ein Batteriespeichersystem. Dadurch werde eine Autarkie von rund 36 Prozent erreicht, die Stromkosten sänken um etwa 14.000 Euro pro Jahr. Die Förderung der Region sei ein entscheidender Baustein gewesen, um die Investition umzusetzen. Erwartet werde eine Amortisierung nach rund zwölf Jahren.
Darüber hinaus bereitet die Region neue Förderprogramme vor. Der sogenannte Solar-Baukasten mit einem Investitionsvolumen von 15 Millionen Euro soll mehrere Förderbausteine bündeln und bald starten. Geplant sind unter anderem Zuschüsse für Balkon-Photovoltaik in der Wohnungswirtschaft, die Ertüchtigung von Hausanschlüssen für Photovoltaikanlagen sowie Batteriespeicher.
Für Photovoltaik-Pilotprojekte stehen 10,7 Millionen Euro bereit. Damit sollen innovative Vorhaben unterstützt werden, für die es noch keine Standardlösungen gibt oder die wirtschaftlich schwer darstellbar sind. Dazu zählen etwa Parkplatz-Photovoltaikanlagen oder Agri-Photovoltaik. Die Region will damit Anschubfinanzierungen geben, damit solche Projekte trotz höherer Hürden umgesetzt werden und als sichtbare Beispiele für den weiteren Ausbau dienen.
Auch auf kommunalen Liegenschaften soll der Photovoltaikausbau vorangebracht werden. Dafür sind zwei Millionen Euro vorgesehen. Die Regionskommunen sollen dadurch bei der Planung entlastet werden, damit der Ausbau auf Dächern öffentlicher Gebäude schneller vorankommt, gerade dort, wo in den Verwaltungen Personal oder Planungskapazitäten fehlen.
Zusätzliche Investitionen in erneuerbare Energien soll künftig eine regionseigene Energiegenossenschaft ermöglichen. Sie soll noch in diesem Jahr starten und Einwohnern die Möglichkeit geben, sich finanziell direkt an regionalen Anlagen zu beteiligen. Wertschöpfung und Erträge sollen dadurch stärker in der Region bleiben. Zugleich soll die Akzeptanz für die Energiewende steigen.
Die größte Einzelmaßnahme des Investitionsprogramms ist der Flächenkauf zur Moor- und Gewässerrenaturierung. Dafür sind 82,5 Millionen Euro vorgesehen. „Gesunde Moore sind riesige CO2-Speicher. Entwässerte Moore setzen in der Region Hannover dagegen große Treibhausgas-Mengen frei. Mit Flächenkäufen und Renaturierung in großem Umfang stellen wir sicher, dass die Moore nicht das Puzzlestück sind, das die Klimaneutralität der Region verhindert, sondern sie zukünftig wieder als Speicher zur Verfügung stehen“, erklärt Palandt.
Die Region will dabei nicht nur eigene Mittel einsetzen, sondern weiterhin Fördermittel von EU, Bund und Land nutzen. Als Beispiel nennt sie das Projekt „RePeat“. Für insgesamt 34 Millionen Euro sollen in den nächsten Jahren drei Moorgebiete in acht Regionskommunen wiederhergestellt werden. Zwölf Millionen Euro trägt die Region selbst, weitere zwölf Millionen Euro kommen vom Land als Projektpartnerin, zehn Millionen Euro von der EU.
Auch die Förderung von Klimaanpassungsmaßnahmen soll verstetigt und ausgebaut werden. Dafür ist ein Gesamtvolumen von 13,5 Millionen Euro vorgesehen. Kommunen und Sportvereine können Mittel zum Beispiel für smarte Bewässerungsanlagen, Zisternen, Beschattung oder die Entsiegelung von Flächen abrufen.
Für die kommunale Wärmeplanung und deren Umsetzung sieht das Investitionsprogramm 18 Millionen Euro vor. Damit will die Region wirtschaftlich knappe, aber klimapolitisch sinnvolle Projekte ermöglichen. Das Geld soll dort helfen, wo Städte, Gemeinden oder Stadtwerke Wärmeprojekte anschieben wollen, die Kosten aber nicht vollständig über Bundes- und Landesprogramme gedeckt werden. Gefördert werden sollen unter anderem die Erschließung von Wärmequellen, die Verteilung über Wärmenetze sowie der Erhalt bestehender Biogasanlagen nach dem Auslaufen staatlicher Förderung, um den ländlichen Raum weiter mit nachhaltiger Wärme zu versorgen.
Weitere 15 Millionen Euro will die Region in die energetische Sanierung im sozialen Wohnungsbau investieren. Die Mittel sollen vor allem dort ansetzen, wo Gebäude schlechte energetische Standards haben und hohe Emissionen verursachen. Gefördert werden sollen unter anderem innovative Sanierungsansätze wie das serielle Sanieren.
Für Innovationsförderung im Bereich Energieinfrastruktur und Sektorenkopplung sind 7,85 Millionen Euro eingeplant. Unterstützt werden sollen unter anderem Energieversorgungsunternehmen, Netzbetreiber, Kommunen und Projektierer bei Investitionen in intelligente Netzanbindung, Digitalisierung von Netzen sowie Pilot- und Demonstrationsprojekte. Ziel ist es, Strom-, Wärme- und Mobilitätsnetze besser miteinander zu verknüpfen und digitale Energiemanagementsysteme voranzubringen.
Für Projekte der kommunalen Wärmewende sind weitere 7,5 Millionen Euro vorgesehen. Dabei geht es um Unterstützung für Privathaushalte, Investoren von Neubaugebieten, Wohnungsbaugesellschaften und weitere Akteure bei Themen wie oberflächennaher Geothermie, Energiepfählen, Flächenkollektoren oder Erdwärmekörben.
Die Region sieht in dem Investitionsprogramm auch wirtschaftliche Chancen. Eine Ende 2025 vorgelegte Wertschöpfungsstudie im Auftrag der Region habe gezeigt, dass eine ambitioniert umgesetzte Energiewende bis 2035 zusätzliche Investitionen von rund 24,9 Milliarden Euro auslösen und den Regionskommunen zusätzliche Steuereinnahmen von rund 470 Millionen Euro sichern könne.
„Das Investitionsprogramm ist nicht nur ein großer Beitrag zum Klimaschutz, es hilft auch dabei, uns in den nächsten Jahren einen erheblichen wirtschaftlichen Standortvorteil zu erarbeiten“, sagt Palandt. Das Programm wirke durch gezielte Anreize als Hebel für Milliarden-Investitionen. Damit werde die Region unabhängiger von Energieimporten und erhöhe zugleich ihre Innovationskraft und Wettbewerbsstärke.
Detaillierte Informationen zu den 25 Maßnahmen des Investitionsprogramms Klima stehen unter www.hannover.de/klimaschutz bereit.
